Ostern in Rom
2006
Muss ein Mensch, eine Frau, ein Mann, ein Christenmensch, ein Europäer Ostern in Rom verbringen und Weihnachten in Bethlehem, um so seine Wurzeln zu ergründen?
Er muss nicht.
In jedem Jahrhundert und Jahrtausend, also in allen Zeiten, hat es die meisten Menschen nicht gekümmert, woher sie kamen, wohin sie gingen. Im Vordergrund stand die Existenz, die Ernährung ihrer Kinder, nicht einmal ihre Bildung. Erst mit Zunahme der, zugegebenermaßen dünnen Zivilisationsdecke spielte Schulbildung, Rechnen, Schreiben eine größere Rolle in den sich entwickelnden Demokratien des IXX. Jahrhunderts.
Meist hockten die Menschen im tiefen Pelzhaar des Bären und verließen es nicht, kletterten nicht an den Fellhaaren hinauf, um draußen zu schauen, ob es stürmt und schneit, wie es so aussieht außerhalb der eigenen Welt.
Die Wärme des Bärenpelzes verlieh ihnen die notwendige Sicherheit, um die Angst vor dem neuen siegen zu lassen und die Neugier zu ersticken.
Senta und ich verbringen zusammen die Osterfeiertage in Rom, weil wir Fragen stellen, noch Fragen stellen und Antworten suchen.
Sie stellt natürlich viel mehr Fragen als ich, warum auch immer.
Um unsere Reisen ranken sich Geschichten und es sind skurrile. Schon einmal waren wir Zwei unterwegs und das war 1990. Ich fuhr nach München zu Senta und wir reisten mit ihrem Auto nach Venedig. Schon diese Reise offenbarte unsere verschiedenen Charaktere und ihre Autorität und Nervosität.
Später, als ich verliebt mit Hans-Werner nach Venedig fuhr, sollte ich den legendären Satz formulieren, man müsse mit der richtigen Person Venedig besuchen. Dabei dachte ich allerdings weniger an die schwierige Person Senta, als an die Legende, man solle nur als Verliebte Venedig besuchen.
In den folgenden 16 Jahren verabredeten sich Senta und ich in Brüssel, in Paris, in wie vielen Orten und Regionen und Städten, einmal im Jahr. Unsere gemeinsame Freundin Ulla aus Leipziger Zeiten registrierte diese fehlgeschlagenen Verabredungen mit großem Vergnügen, waren es doch immer ausgebuchte Wochenenden, an denen ich Zeit hatte, wenn sie nach Frankfurt zu Besuch kommen wollte und konnte.
In diesem Jahr war alles anders. Das Flugticket am Frankfurter Flughafen, von Senta organisiert, lag bereit. Das Hotel Montreal in Rom war gebucht und gut gewählt. Hübsch, klein und sauber war es zentral gelegen, in der Nähe der Basilika Santa Maria Maggiore. Einen Nachteil hatte nun aber doch unser Hotel. Es war an einer sehr befahrenen Straße gelegen und in der Nacht laut. Es war gerade so, als ob die Lastwagen und Omnibusse durch das ruhende Gehirn fuhren.
Wir trafen uns schon auf dem Flughafen und wir kamen beide mit etwa einer Stunde Verspätung an. Es war mittags am Mittwoch, ein halber Tag wartete auf uns. Es war stürmisch und regnerisch.
Nachdem wir unser Gepäck verstaut hatten, machten wir uns auf den Weg und unser erstes Ziel war, nahe liegend, die Besichtigung der Maggiore.
Sie ist die größte aller Kirchen, die der Heiligen Jungfrau gewidmet ist. Der Legende nach soll die Heilige Jungfrau sowohl einem Patrizier Johann als auch Pabst Liberias erschienen
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sein. Sie bat, ihr an der Stelle eine Kirche zu bauen, auf der man am nächsten Morgen Schnee fände.
Der Bau aus dem V. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wird der Zeit Sixtus des Dritten zugeordnet. Die Fassade besteht aus einem Säulengang mit 5 Eingängen, getrennt durch Pfeiler und einer darüberliegenden Loggia mit drei Arkaden. Der romanische Glockenturm rechts ist der höchste Roms.
Das dreischiffige Innere ist großartig. Zu bewundern sind vor allem die schönen Mosaiken, die sowohl die Geschichte des Alten, als auch des Neuen Testamentes erzählen.
Der Fußboden ist eine wunderbare Arbeit der Cosmaten.
Am Ende der doppelten Säulenflucht steht unter dem Triumphbogen ein großer Baldachin, getragen von vier Porphyrsäulen.
Der Hauptaltar unter dem großen Baldachin besteht aus dem Sarkophag, in dem die Gebeine des Heiligen Matthäus aufbewahrt werden.
Vor dem Hauptaltar steigt man die Grabkapelle ab, geschmückt mit den teuersten Marmoren.
In einer Silberurne sollen sich 5 Holzstücke der Futterkrippe befinden, in der das Neugeborene Jesus Christus gelegen haben soll. Valadier hat die Silberurne gestaltet, Vespignani die Marmorsorten dekoriert.
Reichlich besucht, die Grabkapelle, vor allem von asiatischen Nonnen.
Gegenüber der Reliquie kniet die betende Statue von Pius IX. sehr eindrucksvoll und groß von Jacometti aus dem Jahr 1880.
Im rechten Seitenschiff steht in der Taufkapelle von Ponzio das Porphyrtaufbecken von Valadier und der Altar ist gestaltet von Bernini, Vater des berühmten Gianlorenzo.
Viele Namen sollten uns in den nächsten Tagen immer wieder begegnen. Unser Gedächtnis sollte noch mehrfach bemüht werden auf den Spuren der Renaissance zwischen Rom und Florenz, Ferrara und Mantua.
Auch eine sixtinische Kapelle ist zu bewundern, vom großen Architekten Fontana gestaltet im Auftrag eines Kardinal, den man sich nicht merken muss, zu Ehren eines Papstes, den man sich auch nicht merken muss.
Gegenüber der sixtinischen Kapelle im linken Seitenschiff befindet sich die Cappella Borghese. Der Glanz der ganzen Basilika ist in dieser Kapelle abgebildet.
Die Fresken sind zur Verherrlichung Mariä entworfen, unter anderem von Reni. Über dem aus Achat und Lapislazuli gearbeiteten Hauptaltar wird eine der größten Kostbarkeiten Roms aufbewahrt, das wundertätige Bild der Madonna mit dem Kind, welches das Volk dem Evangelisten Lukas zuschreibt, das aber aus dem 9.Jahrhundert stammt.
Die Cappella Sforza im linken Seitenschiff wurde von Giacomo della Porta nach einem Entwurf von Michelangelo gestaltet.
Vor der Kirche erhebt sich eine prächtige korinthische Säule, die von Paul V. der Konstantinsbasilika auf dem Forum entnommen und hier aufgestellt wurde.
So, die erste große der großen Kirchen Roms haben wir besichtigt.
Draußen erwartet uns Kälte, Sturm und Regen. Wir wandern durch Rom, finden die schöne Piazza Navona und setzen uns zu unserem ersten Abendmahl in eines der wunderbaren Restaurants, die den Platz umsäumen. Die Piazza Navona steht auf dem ehemaligen Terrain des Stadions des Domitian, der hier seinerseits Schiffswettkämpfe durchführte. Das Stadion fasste 30 000 Zuschauer. Heute ist es ein beliebter Treffpunkt der Römer. Es stehen drei wunderschöne Brunnen hier, der mittlere, der 4-Flüsse-Brunnen, stammt von Bernini.
Es gibt viel zu schauen, Straßenmaler, Straßenmusikanten, Alkoholiker, Bettler, Kinder, deren Väter Bumerangs in die Luft werfen, eine Studentin, die sich singend ihr Zubrot verdient und der eine alte Rentnerin gelegentlich ein Glas Wasser holt und ansonsten andächtig zuhört. Ein
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schöner Anblick, diese zwei Menschen aus zwei Generationen, die sich gut zu verstehen scheinen.
Es endet unser erster Abend.
Das Frühstück im Hotel ist karg, für uns aber ausreichend.
Wir besichtigen nicht das Collosseum und nicht das Forum Romanum. Es ist uns beiden schon von früher bekannt und bei der Fülle von Architektur und Kunst lassen wir die Geschichte des römischen Reiches weg. Die Ruinen des Collosseum künden noch heute von dessen Größe. Es war die größte Arena des römischen Reiches. Jeder Bürger Roms hatte darin eine Platznummer und der Eintritt war frei. Vespasian ließ pro Jahr zehn Feste für alle darin feiern, nachdem Nero die Bürger Roms ausgeladen hatte bei seinen Festen. Es begann schon am Morgen mit den Kämpfen der Tiere. Vor der Mittagpause fanden die Hinrichtungen statt. Unter anderem hatte man sich folgende Grausamkeit ausgedacht. Einem Todgeweihtem wurden Flügel angebracht und er musste von der obersten Colosseumsetage wie Ikarus herunter fliegen und lag dann tot in der Arena.
Am Nachmittag fanden dann die Gladiatorenkämpfe statt, Mann gegen Mann, Tod gegen Leben.
Es ist natürlich nicht so, dass wir schweigend oder schwatzend uns nur der Kunst und Kultur widmen. Wir zwei kennen uns fast dreißig Jahre. Es verbinden uns gemeinsame Erlebnisse aus der DDR, schöner und schrecklicher Art. Es verbindet uns ein gemeinsamer Beruf. Es verbinden uns ähnlich erlebte Schicksalsschläge. Außerdem wird immer viel geredet, wenn Menschen miteinander sind. Man beachte meinen fein geäußerten Unterschied. Menschen schwatzen miteinander, nicht Frauen.
Am Donnerstag, es ist der Gründonnerstag, lassen wir die sixtinische Kapelle weg wegen anstehender Menschenschlangen und besuchen in Trastevere die Villa Farnese. Sie liegt abseits der Touristenströme und bietet recht schöne und seltene Kunst. Fresken von Botticelli.
Botticelli ist mit seinen manieristischen Engeln überall leicht zu erkennen.
Zu bewundern ist auch ein Fresko mit Darstellungen aus dem Leben Alexander des Großen, seine Heirat mit Roxane, sein Kampf mit den Soldaten des Darius.
Ich freue mich immer, wenn ich meinem Alexander begegne, hat er mich doch 2005 so viel Zeit des Lesens gekostet und so viel Speichereinheiten in meinem Gehirn. Zum Glück ist noch nicht so viel Zeit vergangen, dass ich nicht alles wieder vergessen habe.
Die gegenüberliegende Villa können wir nicht besichtigen. Sie öffnet irgendwie nur aller Stunden für zehn Minuten.
Dafür finden wir eine Trattoria und essen ein umwerfendes Orangenrisotto. Wir nehmen uns viel Zeit in der Mittagshitze im Schatten und betrachten das muntere Treiben der Studenten in Trastevere. Zwei Kirchen besichtigen wir noch in Trastevere.
Die älteste Basilika Roms ist die Santa Maria, errichtet vom Heiligen Calixtus 221, neu gestaltet im 12. Jahrhundert.
Zwischen den beiden Kirchenbesichtigungen gönnen wir uns noch eine Pause im Straßencafe und trinken Eiscafe und betrachten friedlich vor sich hin musizierende Jugendliche, die
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keineswegs einen so bedrohlichen Eindruck machen wie sie die Bilder in diesem Jahr aus den französischen Vororten der Großstädte und aus unseren Orten mit sozialem Sprengstoff gezeigt haben.
Als die Uhr 4 zeigt, suchen wir uns ein Taxi und fahren zur Basilika St. Johann im Lateran.
Es ist Gründonnerstag und der Papst zelebriert die Fußwaschung seiner Kardinäle in der Lateranskirche.
Wir stehen in einer großen Menge Menschen und warten auf Eintritt in die Kirche, auf die Stehplätze, um dem Zeremoniell zu folgen.
Es gibt viele geladene Gäste mit Eintrittskarten und auch solche, die sie gekauft haben.
Es gibt auch Gerüchte, aus Sicherheitsgründen ließe man niemanden mehr hinein. Es stehen viele, es drängeln viele und ich bin geduldig. Stehe ich nun schon eine halbe Stunde in der Warteschlange, harre ich nun doch aus und hoffe auf Erfolg. Senta wird nervös und will gehen. Wir warten und eilen hinein, als die Absperrung beseitigt wird.
Wir stehen im rechten Seitenschiff an der Holzbarriere und genau von dieser Seite kommen die Schweizer Garde, die Kardinäle und unser Papst in die Kirche hinein.
Wir hören die Gesänge, verfolgen in einem kleinen Büchlein die Liturgie und versuchen nach Schluss der Messe den Papst zu fotografieren. Es gelingt schlecht, da die Nonnen von hinten drängeln und schubsen.
Von der Kathedrale sehen wir wenig. Auch nach der Messe bleiben die Absperrungen noch, sodass wir die Kirche nicht unbehindert besichtigen können.
Der Lateran war der Sitz der Päpste, bis dieser 1309 nach Avignon verlegt wurde.
St Johann im Lateran wurde von Konstantin unter dem Namen Basilika des Erlösers 314 bis 335 gegründet.
Wir besichtigen sie also nicht.
Nach Ende der Messe stehen wir auf der großen Kreuzung und warten vergeblich auf ein Taxi. Wir versuchen auch den Busplan zu ergründen und fahren endlich doch zur Piazza del Popolo. Wir versuchen es in zwei Restaurants, die uns nicht gefallen und wandern die Fußgängermeile entlang, biegen per Zufall in eine Seitenstraße ein und finden auch per Zufall ein brechend volles Restaurant.
Wir trinken Sentas Lieblingssorte Wein, Wasser dazu und Senta isst Ossubucco. Ich esse ein wunderbares Nudelgericht. Schmackhaft und natürlich.
Es ist eine alt bekannte Wahrheit, das selbst Gesuchtes auf den Reisen, egal ob es sich um essen und trinken handelt, oder um eine Sehenswürdigkeit, die nicht im Reiseführer steht, große Freude bereitet.
Am Karfreitag, dem hohen Festtag der Christenheit, sind die Geschäfte in Rom geöffnet. Das hat mich sehr gewundert.
Erst am Abend zelebriert Papst Benedikt XIV. den Leidensweg von Jesus Christus im Colloseum.
Die Schlangen vor der sixtinischen Kapelle sind wahrscheinlich immer gleich groß. Wir müssen uns fügen. Ganz zeitig stehen wir auf, frühstücken schnell und fahren mit dem Taxi zur sixtinischen Kapelle. Eine Puertoricanerin spricht uns an und verspricht uns für 49 Euro eine Umgehung der Warteschlange. Wir sind skeptisch und lassen uns trotzdem auf das Wagnis ein. Wir fallen keinem Betrug zum Opfer, kommen sofort hinein in die Vatikanischen Museen, an deren Besichtigungsende die sixtinische Kapelle steht.
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Eine Fülle von Kunst ist zu besichtigen. Es ist, glaube ich, nicht fassbar für unser Gehirn.
Ich nehme jetzt den Katalog der Vatikanischen Museen zu Hilfe.
Die Pinakothek wurde von Papst Pius XI gegründet und 1931 fertig gestellt. Nachfolgende Päpste haben sie ergänzt. 1797 hat zunächst einmal Napoleon einen Großteil der Sammlung geklaut und mit nach Paris geschafft. Die Rückgabe erfolgte erst 1815 unter Mitwirkung des Bildhauers Canova anlässlich des Wiener Kongresses.
Die Werke sind in chronologischer Reihenfolge ausgestellt. Es beginnt im XII. XIII. und IVX. Jahrhundert. Die Darstellungen des Alten und Neuen Testamentes sind auf Holz gemalt, die Gestalten weisen Goldgrund auf und es fehlt die Perspektive.
Es folgen die Maler aus Siena, unter anderem Giotto. Die Farben werden wärmer, die Malerei eleganter.
Die Florentiner Schule des XV.Jahrhunderts malt nun schon die Zentralperspektive und die Maler des Quattrocento verfeinern die Maltechnik und die Perspektive. Beato Angelico ist ein schönes Beispiel von dem Übergang frühmittelalterlicher Malerei zur Renaissance.
Der Lautenspielende Engel von Melozzo da Forli sieht gespuckt aus wie ein Engel von Botticelli.
Perugino ist Vertreter der umbrischen Schule.
Es folgen Michelangelo und Raffael mit wunderschönen und dramatischen Werken.
Michelangelo und Raffael haben von 1508 bis 1512 zusammen in Rom gearbeitet unter Julius II.
Sie waren mit der Ausschmückung der Stanzen und der Sixtinischen Kapelle befasst.
Der Heilige Hieronymus von Leonardo da Vinci aus dem Jahr 1482 ist, wie fast alles, unvollendet.
Der venezianische Meister Bellini aus dem Quattrocento ist vertreten.
Das Cinquecento kündigt sich an mit Tizian und Vasari und es folgt das XVII. Jahrhundert, dessen Maler Geschmack finden an Realismus und gewagten perspektivischen Darstellungen. Caravaggio, Giudo Reni und auch Poussin.
Jetzt lassen wir die Wanderungen durch die Jahrhunderte sein und schauen die Stanzen des Raffael an.
Julius II. wollte nicht in den Gemächern früherer Päpste leben und ließ sich von Raffael die oberen Gemächer ausmalen. Die Fresken folgen Begebenheiten aus Kaiser Konstantins Leben.
Raffael ist übrigens während der Ausmalung der Stanzen gestorben, jung.
In der Schule von Athen bewundert man große griechische Philosophen, Plato in der Gestalt Leonardos, Aristoteles, Heraklit als Michelangelo, Euklid als Bramante, Ptolemäus und Zarathustra. Der Mann mit der grünen Mütze ist Raffael selber. Auf dem Parnass sind Dichter mit ihren Musen dargestellt, Homer und Dante.
Die wunderbare Malerei von Raffael im Detail oder in aller Ausführlichkeit zu beschreiben, würde zu weit führen. Außerdem verlor ich bei diesem Reichtum an Kunst so langsam aber sicher den Überblick.
Saal folgte auf Saal, an Bildern aus allen Jahrhunderten flanierten wir vorbei. Das ist nett formuliert, entspricht aber keineswegs der Wahrheit. Die Menschen schoben sich an den Menschen und an den Bildern vorbei. Da diese aber nicht nur links und rechts an den Wänden hingen, sondern auch Deckenmalerei zu bewundern war, glich der Kopf einer Rundumleuchte.
In den Fotos habe ich einige schöne Skulpturen, meist römische Kopien griechischer Meister, gesehen, die auch in den Vatikanischen Museen herumstanden.
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Zum Beispiel der berühmte Torso des Belvedere aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert, Ajax darstellend, der zum Vorbild diente für Michelangelos gut durchtrainierten Männerkörper, die er viel später, 500 Jahre später, aus dem Marmor schlagen sollte.
Die sixtinische Kapelle.
Deren Namen leitet sich von ihrem Erbauer her, Papst Sixtus IV. della Rovere. Er wünschte sich einen großen neuen Kirchenraum mit genügend Platz für seine Kardinäle, den Chor, Vertreter reicher Familien und Orden, Laien und Dienern.
Schutz musste sie bieten gegen den Hof der Medici in Florenz, mit dem ein großes Spannungsverhältnis herrschte und gegen die Türken, die eben in diesen Jahren die Ostküste Italiens bedrohten.
Der Bau wurde 1475 begonnen und 1483 von Papst Sixtus IV. feierlich eingeweiht. Zwei Florentiner Künstler haben den Bau entworfen und betreut, der in seinen Maßen dem zweiten salomonischen Tempel in Jerusalem entsprechen soll, den die Römer im Jahr 70 zerstört haben.
Nun ist es leider nicht so, dass man sich die Sixtinische Kapelle in Ruhe oder Muße anschauen kann. Unmengen von Menschen drängeln sich, ständig ruft Kirchenpersonal zu geistlicher Ruhe auf. Nützt aber nichts, da der Mensch im allgemeinen und besonderen nicht dazu in der Lage ist, seinen Mund zu halten, Selbst das Fotografierverbot halten sie nicht ein, allen voran die Schlitzaugen vom asiatischen Kontinent.
Der herrliche Mosaikfußboden aus dem XV.Jahrhundert, gearbeitet nach mittelalterlichen Vorlagen, hat sich bis heute erhalten. Bewundern konnte ich ihn nicht wegen der vielen Füße, die meinen Blick behinderten.
Die Bogenfenster sorgen für einen ausreichenden Lichteinfall. Das Tonnengewölbe ist mit den Seitenwänden durch Lünetten und Stichkappen verbunden.
Papst Sixtus IV. rief nach Fertigstellung der Außenarbeiten florentinische Maler wie Botticelli
Ghirlandaio, Signorelli, Roselli und umbrische Maler wie Perugino und Pinturicchio zur Ausschmückung des Innenraumes zu sich. Sie trugen Fresken auf die Seitenwände auf, die in drei horizontal abgegrenzte Wandstreifen gegliedert sind. Den unteren Teil füllen aufgemalte, mit päpstlichen Insignien versehene Damastvorhänge aus.
Die Fresken stellen biblisches Leben von Moses und Jesus Christus dar, die beide als Retter der Menschheit angesehen werden.
Der Neffe Sixtus IV., der unternehmungsfreudige Giuliano della Rovere, späterer Papst Julius II, veranlasste die Vollendung der Ausmalung der Kapelle, rief den schon bekannten Michelangelo Buonarroti nach Rom, weg von Florenz.
Dieser wollte zunächst überhaupt nicht, konnte sich aber doch nicht weigern einem Papst gegenüber und malte das Deckengewölbe vier Jahre lang aus mit der Menschheitsgeschichte bis zu Ankunft Christi.
Auch das Jüngste Gericht an der anderen Wandseite ist ein Werk Michelangelos, das er später, zwischen 1536 und1541 schuf.
Thema ist das unentrinnbare Los aller Menschen, deren Schicksal letztendlich von dem einzigen, allerhöchsten Richter bestimmt ist.
Hier sind Bibelkenntnisse unbedingt vonnöten. Doch hat die Frankfurter Buchmesse erst im letzten Jahr einen Kunst- und Bibelleitfaden für Atheisten vorgestellt.
Ich glaube, nie wieder ist das Leid der Menschen so klar, so herzzerreißend furchtbar dargestellt worden, wie in der Renaissance.
Das Deckengewölbe ist Michelangelos größtes Werk und eines der größten der Menschheitsgeschichte. Es sind 800 Quadratmeter Freskenmalerei, nimmt die Ikonographie
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der Seitenwände auf, indem es das lange Warten der Menschheit auf die Ankunft Christi darstellt, die Prophezeiungen, die dieses Ereignis ankündigen und die Genesis der Erschaffung der Welt.
Erster Teil: Die müden Wartenden des Stammes, aus dem Jesus kam.
Judith und Holofernes. David und Goliath. Jüngstes Gericht. Esther und der Wesir.
Zweiter Teil: Die Darstellung der sieben Propheten und der fünf heidnischen Sibyllen, die die Ankunft Jesus vorausgesagt haben.
Dritter Teil:
Neun große Episoden und fünf kleinere aus dem Buch der Genesis, von denen drei die Erschaffung der Welt, drei die Geschichte Adams und drei die Geschichte Noahs zum Thema haben.
Drei Schöpfungsakte:
Trennung des Lichtes von der Finsternis
Erschaffung der Gestirne und der Pflanzen
Scheidung der Erde von den Wassern
Erschaffung Adams
Erschaffung Evas. Eva entsteht bei Michelangelo aus einem Felsen und nicht aus der Rippe Adams.
Gott wird hier zum ersten Mal in der Kunstgeschichte als Gestalt sichtbar.
Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies.
Noah bringt Gott nach der Sintflut ein Dankopfer dar.
Noahs Trunkenheit, nachdem er den ersten Weinberg bepflanzt hat und von Wein berauscht ist.
Zwanzig Jahre nach Fertigstellung der Deckenfresken schöpft Michelangelo noch einmal das Jüngste Gericht. Die päpstliche Macht des Vatikan ist wieder gefestigt, der Sturm, den die Truppen Karls V. gesät, hat sich beruhigt und die Krise, die Martin Luther heraufbeschworen hat, besiegt.
Im Jüngsten Gericht wird die tragisch philosophische Vision Michelangelos sichtbar.
In der Mitte steht Jesus Christus, neben ihm die Mutter Gottes, und entscheidet mit einer einzigen Armbewegung über das Jenseits, den Himmel und die Verdammnis. Nur wenige kommen in den Himmel, die meisten strudeln abwärts in die Hölle.
Alle Heiligen und ihre Martyrien sind gemalt.
1994 wurde die Sixtinische Kapelle restauriert und erst seitdem sind die Farben wieder kräftig und das Kunstwerk atemberaubend.
Die Restaurierung hat 14 Jahre gedauert und danach musste die Kunstgeschichte für Michelangelo neu geschrieben werden.
Durch Kerzenrauch, Dreck, spätere Übermalungen, Farbnachbesserungen war ein völlig anderer Michelangelo zu sehen als der wirkliche.
Er hat stark kontrastierende Farben benutzt, um die Volumina zu vergrößern, die Körperlichkeit zu betonen.
Er hat recht flüssige Farben genommen, sodass teilweise der Untergrund sichtbar ist.
Durch die vatikanische Bibliothek wandern wir nach fünf Stunden in den römischen Sonnenschein.
Die nächste Pizzeria oder Trattoria ist unsere, hungrig, müde, erschöpft und durstig wie wir sind.
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Die Pizzeria, in die wir geraten, füttert Touristenbusse ab und wir hören schmunzelnd schwäbischen Pilgern zu, amüsieren uns über einen geschäftig herbei eilenden Sänger, der in der Rangfolge der Berühmtheit gleich hinter Pavarotti steht.
Wir schlendern am Tiber entlang, haben einen schönen Blick auf die Engelsburg.
In der Altstadt entdeckt Senta ein antiquarisches Geschäft mit alten Radierungen, Stahlstichen.
Sie wühlt und sucht und sucht und wühlt. Tja, was sucht sie denn? Schöne Musen, operierte Busen oder schreckliche Geburten in Stahl oder Zinn geritzt.
Wie heißt denn nun wieder der Künstler, der diese wunderbaren Veduten von Rom gemacht hat?
Von dem sieht sie sich auch alle an, verspricht wieder zu kommen, kommt aber nicht wieder.
Nachdem Stunden in diesem Antiquariat vergangen sind, wandern wir von Schuhgeschäft zu Schuhgeschäft, weil Senta ein paar halbhohe beigefarbene Sommerschuhe kaufen möchte. Von ungefähr hunderten von beigefarbenen Schuhen kauft sie kein Paar.
Doch. Schöne Geschäfte gibt es in Rom.
Auf unseren Stadtspaziergängen machen wir Pause im Operncafe. Die Auswahl an Kuchen war sehr begrenzt.
Am Espresso aus der Maschine kann man nicht viel falsch machen.
Der Toilettenbesuch jedoch schlägt jedem Fass den Boden aus.
Das Operncafe war leider keine Ausnahme und es sollte mir noch öfters begegnen, dass es für große Restaurants nur eine Toilette gab für Männer und Frauen und die war oft schmuddelig.
Die Toilette im Operncafe war versifft.
Wenn ich mir unsere deutschen Hygienevorschriften vor Augen halte, deren übergenaue Kontrolle, die Hysterie, mit der bei Nichtbeachtung vor Seuchen und Krankheiten gewarnt wird, dann frage ich mich, warum wir alle in einer EU sind.
In Deutschland hat jede Gaststätte vom Gesundheitsamt, vom Ordnungsamt die Auflage, wie viele Toiletten entsprechend der Anzahl von Gästen bereitgestellt werden müssen.
In den Arztpraxen verlangen sie Frauen- und Männer- und Angestelltentoilette, Waschbeckenabtrennung und und.
Wir haben in den Tagen immer mal wieder in Erwägung zu ziehen versucht, eine Pause einzulegen mit Rückkehr ins Hotel. Bei der Erwägung ist es geblieben.
Am Abend sind wir in der Nähe des Colosseum, sehen die Heerscharen von Pilger, die zum Kreuzweg laufen, den der Papst am Abend zelebrieren wird.
Senta und ich gehen in ein Restaurant, das sie von früher kennt und an das sie in guter Erinnerung hat. Reinfall. Es hat sich zum Schlechten verändert und wir gehen wieder.
Ein Taxifahrer hatte uns auf der Rückfahrt von der Villa Borghese, wo wir für den nächsten Tag Eintrittskarten reserviert haben, eine Trattoria empfohlen. Wir folgen dieser Empfehlung und werden rüde enttäuscht. Mürrische und unfreundliche Kellner nehmen erst gar keine Bestellungen an. Senta wird es zu bunt. Sie geht in die einfache Pizzeria nebenan, bestellt uns zwei Plätze und wir essen frittierte Tintenfischringe, Garnelen, trinken sauren Landwein und genießen die Freundlichkeit der Atmosphäre.
Die Nacht hat uns wieder und wir schlafen traumlos erschöpft.
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Am Samstag fahren wir zur Villa Borghese und es werden wieder mehrere Tonnen Kunst- und Kulturwissen in uns hineingeschüttet.
Die Villa Borghese auf dem Hügel des Pincio wurde von Papst Paul V. gebaut, der ähnlich viel für Roms Stadtgestaltung getan hat wie Sixtus. Es war nicht der Papst selber, sondern sein Neffe, den er zum Kardinal machte, der mit diesem untrüglichen Urteil für künstlerische Qualität ausgestattet war.
Er war stilbildend für die Entstehung der europäischen Kunst des Barock mit klassischem Maß.
Er hatte eine schrankenlose Leidenschaft beim Erwerb der wertvollen Kunstschätze, erregte aber auch Aufmerksamkeit in seinem weitsichtigen Mäzenatentum für Bernini, Codier, Caravaggio, Rubens, Reni, Lanfranco und Domenichino.
Gegenüber großen Villen und Schlössern anderer Päpste zeichnet sich die Villa Borghese eher klein aus, aber sehr fein wegen der Sammlung.
Die Familie Borghese gewinnt in Rom etwa im 17.Jahrhundert öffentliches Interesse. Dreihundert Jahre zuvor haben sie wie die Medici ihre bedeutende Tolle in der Toskana, nämlich in Siena gespielt.
1798 erlebt die Familie Borghese, vertraglich geregelt, den Verkauf von 344 Skulpturen an Napoleon. Nun, man kann jeden Diebstahl und jede Lüge so verpacken, dass sie, weiß gewaschen, der Öffentlichkeit standhält. In Kisten verpackt, hat er die Skulpturen auf Wagen verladen und nach Paris gefahren. Dort kann man die Skulpturensammlung der Borghese im Louvre auch heute noch besichtigen.
Teurer Preis für die Heirat eines Borghesesprößlings mit der Schwester von Napoleon.
Ende des 19. Jahrhunderts war die Finanzsituation der Familie so prekär wegen schief gegangener Bauspekulationen, dass sie die Villa samt Kunstschätzen an den italienischen Staat verkauften.
Die Villa Borghese sollte ein Ort der Musen sein. Sie steht recht wunderschön in diesem großen schönen Stadtpark, dessen Wege gesäumt sind von unzähligen Skulpturen, meist Römerköpfen.
Es waren viele Menschen im Park, Kinder, Hunde, Rollschuhfahrer, Radfahrer. Es gab kleine Rummel, viel Naschwerk, Getränke.
Fast hätte man Goethes Osterspaziergang aufsagen müssen.
Irgendwo in diesem Park steht auch der junge Goethe herum.
Die Sammlung wurde von Generation zu Generation erweitert. Ganze Sammlungen wurden aufgekauft, manches ist auch unwiederbringlich verloren.
Was ich jetzt über die Kriterien zur Aufhängung der Bilder gelesen habe, löst einige Knoten des Unverständnisses bei mir.
Im Erdgeschoß begleiten die Bilder thematisch die Marmorgruppen im Zentrum der Säle. Zum Beispiel die keusche Daphne nach einer Poesie von Ovid, die zum Olivenbaum wird, um ihre Unschuld zu bewahren, da Apoll hinter ihr her ist. Auch diese große und schöne Skulptur ist von Bernini. Apoll tröstet sich mit einem Kranz von Lorbeerblättern um seinen Kopf, weil er Daphne nicht gekriegt hat. Nimmt er die Blätter vom Baum ihrer Verwandlung. Wenn das keine narzisstische Meisterleistung ist.
Das Thema der Metamorphosen taucht noch einmal auf bei Dosso Dossi aus Ferrara. Er malt die Zauberin Circe, die menschliche Wesen bösartig in Lemuren verwandelt. Macht man doch nicht.
Ganz berühmt ist natürlich die auf dem Sofa hockende Paolina Bonaparte Borghese von Canova, die graziös einen Apfel in der Hand hält und sich als Siegerin im Urteil des Paris ausweist.
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Der Marmor ist glatter als anderer Marmor. Canova hat noch eine Patina darübergelegt, die auch bei der letzten Restaurierung erhalten werden konnte. Es ist das Glanzstück der klassizistischen Skulptur. Canova hat eine lebende Person von hohem sozialen Rang nackt gestaltet, indem er die Metamorphose von einer historischen Person in eine Diva allàntica vollzog. Es ist ihm gelungen.
Im Inneren des Sofas befindet sich eine Maschine, die Canova eingebaut hat und die die gesamte Skulptur, also das Sofa mit Paolina drehen kann.
Neben der Paolina steht die Bacchusherme von Valadier. Er war Goldschmied, Bildhauer, Bronzekünstler.
Von Bernini, 1623 bis 1624 gemeißelt, steht ein wunderschöner David im zweiten Saal.
Ich finde auch eine Büste Alexander des Großen.
In den Bildern kämpfen David und Goliath noch etwas weiter, Samson ist im Kerker, Andromeda wird von Perseus gerettet vor dem Meeresungeheuer, Herkules kämpft und
Phaeton wird von Jupiter bestraft, weil er Erde und Himmel in Brand gesetzt hat. Damals gab es Blitze für unkontrolliertes Sonnenwagenfahren, heute gibt es Punkte in Flensburg.
Im ersten Stock nun sind die Bilder chronologisch nach Malerschulen gehängt, nicht aber in einer zeitlichen Abfolge. Warum?
Um dem Besucher auch die Möglichkeit der Betrachtung der Innenarchitektur zu geben und diese nicht durch zu große Bildformate zu verstellen.
Ich habe mich gewundert, warum die Jahrhunderte so durcheinander purzelten.
Der grandiose Eingangsaal empfängt den Besucher mit der Verherrlichung des Ruhmes der römischen Kultur. Der römische Held Markus Curtius opfert sich für sein Volk, in dem er sich und das Pferd, das arme Pferd kann gar nichts dafür, in einen Abgrund des Forum Romanum stürzt. Vier antike Kollosalköpfe stehen herum, ein Bacchus, ein Faun.
Eine Bodenmosaik aus dem IV.Jahrhundert ist zu besichtigen, das die schrecklichen Kämpfe zwischen Gladiatoren und wilden Tieren darstellt.
Spartakus mit Kirk Douglas erinnere ich.
Im großen Kaisersaal steht noch eine große Marmorgruppe von Bernini im Zentrum. Sie stellt Pluto dar, den mächtigen Herrscher der Unterwelt, während er den Raub der Proserpina, Tochter der Erdgöttin Gea, vollführt. Gea erhält von Jupiter, liebevoll Juppi genannt, den Kompromiss, dass Proserpina ein halbes Jahr in der Unterwelt bei Juppis Bruder Pluto verbringen muss und im Frühling und Sommer auf die Erde zurückkehren kann, um sich um
Blumen und Früchte zu kümmern. In diesem Jahr hat sie sich wahrscheinlich verspätet, da der Frühling so lange auf sich warten ließ und es noch im Juni schneite.
Die Körper drehen sich spiralförmig voneinander weg. Die Hand Proserpina schiebt sich in die Haut Plutos, er krallt seine in ihren Oberschenkel, aus drei Köpfen bellt der Höllenhund Cerberus. Ungeheuer schwierig, so Marmor Figuren zu entreißen.
Ein weiteres frühes Werk Berninis zeigt den aus dem brennenden Troja flüchtenden Äneas mit seinem alten Vater Anchises und seinem Sohn Ascanius.
Bernini meißelte für sich als Denkmal seiner Bildhauerkunst die Allegorie Die von der Zeit enthüllte Wahrheit und bestimmte in seinem Testament, dass dieses Werk in der Familie verbleiben soll zur moralischen Erbauung. Erst 1924 wurde es in die Sammlung der Villa Borghese aufgenommen.
Im ägyptischen Saal steht eine sehr schöne Isis aus schwarzem Marmor aus dem 1.Jahrhundert n.Chr.
Im Saal der Silen steht ein tanzender Satyr nach einem Original von Lisypp und von Thorwaldsen restauriert und es hängen eine Menge Caravaggios an den Wänden.
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Hervorzuheben sind drei Bilder. Die Madonna dei Palafrenieri Großmutter Anna, Mutter Maria mit dem Jesuskind. Maria bringt Jesus bei, den Kopf der Schlange zu zertreten. Ein rührendes Bild des Menschsein ohne heilige Bedeutung.
Der Heilige Hieronymus beim Lesen der Bibel in großartigem räumlichen Helldunkel, das noch nicht wirklich als Malweise erfunden war.
Das dritte Bild ist ein Selbstporträt als David mit dem Kopf Goliaths, das er als Gnadengesuch an den päpstlichen Hof schickte, um zurückkehren zu dürfen. Jahre irrte er durch die Welt, nachdem er aus Rom fliehen musste, ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt war, weil er im Sport einen Kameraden tötete. Gnade wurde ihm gewährt, doch er hat sie nicht mehr erlebt, weil er am Strand des Mittelmeeres einem Hitzschlag erlag.
Im Saal 9 hängen die florentinischen und umbrischen Meister.
Ich nenne sie in der Folge und ordne ihnen die Bilder textlich nicht zu. Raffael mit seinen Schülern
Fra Bartolomeo
Piero di Cosimo
Perugino
Sie hängen ja auch alle zumindest in den Uffizien.
Saal 10 wurde der Saal des Schlafes genannt.
Große Venusbilder von Brescianino und Cranach.
Corregios manieristische Meisterwerke der Danae behandeln die Liebesgeschichten von Jupiter, die er im Auftrag des Herzogs von Mantua für Karl V. malte.
Im Saal 11 hängen die Bilder der Maler von Ferrara.
Im Saal 12 hängen Bilder der lombardisch venezianischen Schule, geprägt von Leonardo.
Ein Bild von Leda mit dem Schwan wird Sodoma zugeordnet. Die Wissenschaftler streiten aber noch, ob es nicht doch Leonardo zuzuordnen wäre.
Im Saal 13 nun Bologna und Florenz, 15. und 16.Jahrhundert.
Im Saal 14 streiten sich Carracisten und Caravaggisten um das Erbe ihrer vorbarocken Väter und wir sind im 17. Jahrhundert.
Im nächsten Saal kehren wir ins 16.Jahrhundert zurück und sehen Jacopo Bassanos letztes Abendmahl als bedeutendes Werk der Hochrenaissance.
Im Saal 16 hängen Maler, die der Formensprache Michelangelos nahe stehen. Unter anderem hängt hier ein Bild von Vasari, der weniger als Maler denn als Biograph von Michelangelo und den Florentinern von sich reden machte.
Saal 17. Hier hängen Werke des 17. Jahrhunderts. Sie malen Szenen des täglichen Lebens eher brav,
Saal 18
Kann denn ein Mensch überhaupt so viele Bilder auf einmal anschauen? Wir sind jetzt schon durch 18 Säle gelaufen.
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Die Pieta von Rubens entstand 1602 während seines ersten römischen Aufenthaltes.
Saal 19
Es hängen Meister des römischen Barock.
Eine Version Baroccis von der Flucht Äneas mit Vater und Sohn. Ein sehr schönes Riesenbild von Lanfranco
Saal 20
Dieser Saal mit der wertvollen antiken Bronzestatuette im Zentrum, ein Knabe mit Herrscherblick der Familie Kaiser Antonius IV.Jahrhundert n.Chr. ist dem Triumph der venezianischen Renaissancemalerei gewidmet.
Das Porträt eines Mannes von Antonello da Messina fehlt. Wir sehen es morgen in einer Sonderausstellung.
Lotto. Nein. Hier wird nicht erinnert, dass der Lottoschein noch nicht ausgefüllt ist. Die Maler Lotto, Bellini, Giorgione und Veronese haben so schöne Bilder gemalt, herrliche Farben benutzt.
Tizian ist mit vier Bildern vertreten.
Sein Venus verbindet Amor die Augen ist witzig, vieldeutig und anspruchsvoll. Die beiden Porträts seines späten Altersschaffens sind grausam und der Wahrheit der letzten Bilder Van Goghs sehr nahe. Beide waren am Ende ihrer Lebens- und Willenskräfte und haben die Farben nur noch auf die Leinwand geschlagen.
Die himmlische und irdische Liebe von Tizian, ein wunderschönes Bild voller Anspielungen und philosophischer Deutungen über die irdische und geistige Existenz.
Die Familie Rothschild bot für dieses Bild mehr, als der italienische Staat für die gesamte Villa Borghese samt Sammlung und Park bezahlt hat.
Dank Ausfuhrbeschränkung von Kunstgut der Villa Borghese blieb es in ihrem Zuhause.
Endlich ist die Kunst in der Villa Borghese geschafft und wir lassen nicht etwa an diesem Tag Kunst Kunst sein.
Nein. Wir marschieren durch den Frühling Roms zur Villa Giulana. Es ist eine kleine feine klassizistische Villa, die irgendein Graf, Kardinal oder Papst seiner Geliebten als Lustschloss gebaut und geschenkt hat. Der Garten ist sehr schön angelegt und eine Wand blüht blau voller Glyzinien.
Auf den Treppen ruhen wir aus.
Wir besichtigen etruskische Kunst, die ebenso schön ist wie die im etruskischen Museum in Volterra, doch nicht viel anders. Schön der Schmuck, der Senta begeistert. Mich interessiert Schmuck nicht so sehr. Wie fein sie gearbeitet haben, ist bekannt.
Auch die Tongefäße und Tonscherben füllen wändeweise die Regale.
Interessant sind hier und auch in der Villa Borghese die Sicherheitsbestimmungen.
Es darf nicht eine Tasche, auch keine kleine, kein Fotoapparat mit in die Ausstellungsräume genommen werden.
Es ist der Abend gekommen und wir können eine Kirche nicht mehr besichtigen mit einem
Michelangelo drin, weil sie schon geschlossen hat. Über eine Treppe steigen wir hinab und wenden uns Richtung Colosseum.
Eine Buchhandlung auf unserem Weg zieht Senta magisch in ihren Bann und sie verschwindet darin, bis die Buchhändler von einem Bein aufs andere hüpfen, weil sie
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schließen wollen, nach hause gehen und Feierabend haben wollen. Probeweise machen sie hier und da das Licht aus. Senta ist nicht zu beeindrucken. Feierabend ist, wenn ich den Laden
verlasse, denkt sie, oder bemerkt es gar nicht. Sie wühlt in den Bildbänden von Rom und entdeckt einen sehr schönen Band mit Reproduktionen von Piranesi.
Piranesi war es auch schon in dem Antiquariat, der sie zu Freudentaumeln bewegte.
Ich kaufe ein hübsches kleines Buch über das römische Gerümpel, Forum Romanum, und die Computer simulierte virtuelle Vervollständigung.
Endlich ist sie aus dem Laden geschubst und wir schauen uns um nach etwas Essbarem, finden auf der gleichen Straße ein volles Restaurant, in dem es laut zugeht. Schon von draußen hören wir Stimmengewirr. Ein Tisch für uns ist nur noch in der Ecke zu finden. In Rom sitzen wir in einer richtigen einfachen Pizzeria voller Italiener, einem lustigen Wirt, essen frisches Brot, Nudeln und trinken Wein, der aus dem Fass gezapft wird.
Das Essen war köstlich, wir haben uns amüsiert.
Es ist allerdings auch möglich, dass wir zwischen der Villa Borghese und der anderen Villa mit dem etruskischen Krimskrams noch die Pizzeria finden, die keine Siesta einhält, eine
Kleinigkeit essen, fast die einzigen Gäste sind und der Wirt mir das Lied von der Lilly Marlene schmettert. Absurde Köstlichkeit am Rande.
Ich weiß überhaupt nicht mehr, in welchem Tag ich meine Erinnerungen suche.
Ich glaube, der Ostersonntag bricht an.
Den Papst und das Osterläuten hören wir auf dem Pincio. Wir gehen im Park spazieren
Über unseren Köpfen rattern die Hubschrauber der Sicherheit.
Wir wandern auch durch die stillen Straßen Roms. Wir haben uns viel zu erzählen.
Wir haben beide ein sehr verschiedenes Leben. Sentas Leben ist beherrscht von ihren Interessen für Kunst und Musik. Einen Großteil ihrer Freizeit steckt sie in diese beiden großen Lebensblöcke, erweitert von Vorlesungen über Kunst- und Musikwissenschaften und Philosophie.
Ihren Beruf liebt sie auch und schuftet darin, aber doch eher, um so mehr Geld und Zeit in die Freizeit transportieren zu können.
Mein Leben, auch große Teile meiner Freizeit sind besetzt von meinem Beruf. Es ist mir eigentlich in Rom bewusst geworden, dass ich meinem Beruf und den Weiterbildungen vor allem im HIV-Bereich so viel Zeit widme. Ich verbringe auch eine Menge Zeit mit Musik, Kunst, Literatur und Schreiben, Zeit mit Reinhardt, Kinogängen, Kaffeetrinken und Gartenbesuche, Nachbarbesuche, Fußballschauen jetzt zur Fußballweltmeisterschaft. Meine Lebenszeit wird eindeutig nicht so strukturiert und konzentriert genutzt von mir, sondern wenig, aber doch fröhlich vertrödelt.
Ich bin, im Gegensatz zu ihr, wesentlich mehr zu hause, obwohl ich immer denke, ich bin ständig unterwegs.
Wenn ich hier schreibe, rufe ich sie stets zu hause an wegen Fragen, die habe zu unseren Ostertagen und dem Zusammenfügen von Erinnerungen. Sie ist nicht da, wie immer.
Da ich mein Leben liebe, wie es ist, kein anderes möchte und eigentlich auch keine Notwendigkeit von Veränderungen sehe, konstatiere ich die Unterschiede ohne Emotionen.
Vielleicht ist es ja für Senta ähnlich.
Man muss sich ja außerdem nicht der Illusion hingeben, dass wir Veränderungen herbeiführen können, wenn wir sie denn wollen oder als notwendig ansehen. Die Variationsmöglichkeiten auf unserem Lebensweg sind sicherlich viel kleiner, als wir sie uns wünschen oder träumen.
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Am Ostermontag stehen wir wieder einmal Schlange auf dem Petersplatz. 90 Minuten. Der Regen, der sich in Wolken über uns türmt, bleibt uns erspart. Wir haben reichlich Zeit, die schöne Platzanlage auf uns wirken zu lassen und den österlichen Schmuck vor der katholischen Weltkirche zu bestaunen.
Die herrschenden Fürsten der früheren Welt sind ja heute die herrschenden Demokraten dieser Welt. Zu Gast bei den großen Feiern der christlichen Welt, Inthronisationen von
Päpsten, Trauerfeiern bei den verstorbenen Päpsten sitzen sie wie eh und je präsent, früher gemalt, heute sichtbar im Fernsehen.
Wo sitzen sie? Auf dem Petersplatz, dem von Bernini konzipierten. Worauf sitzen sie?
Auf wackeligen, abgeschabten, grauen und längst für den Müll überfälligen Plastikstühlen.
Im Blumenschmuck schaut auch hin und wieder ein Plastikeimerchen heraus.
Alle Päpste haben es sich auf die Fahnen geschrieben, zu ihrer jeweiligen Amtszeit die Stadt Rom zu verschönern.
Papst Sixtus und so weiter, doch sie vergessen ihre Feststühle für die weltlichen Herrscher neu zu kaufen. Kann ja nicht so teuer sein.
Wir stehen also eine Stunde und sind nach ausführlicher Taschenkontrolle im Petersdom.
Beide nicht zum ersten Mal. Wiedererkennungswert groß.
Die Kuppel wurde 1547 von Michelangelo entworfen. Der Bau der Kirche zog sich über 18 Jahrhunderte hin.
Die Fassade ist ein Werk von Carlo Maderno, der sie 1612 fertig stellte. Gewaltige Säulenordnung, in die sich die Öffnungen für die Zugänge zur Vorhalle und die Fenster einfügen. Ein darüber liegendes Stockwerk mit breiten Öffnungen und einer Balustrade, auf der fast 6 m hohe Figuren stehen, schließen das majestätische Bild ab, zu dem auch noch die beiden seitlichen Türme gehören, der Uhr- und der Glockenturm.
Das Mittelfenster ist die Benediktionsloggia. Hier tritt der frisch gebackenen Pabst erstmals hinaus, verkündet seine erste Botschaft und Urbi et Orbi für die Welt.
Auch an den hohen Feiertagen der Christenheit tritt er auf diese Loggia.
Die Vorhalle ist bombastisch und urchristlich. An ihr bauten Maderno, Bramante und Michelangelo herum. Die Tür rechts ist die Porta Santa, die nur während der heiligen Jahre vom Pabst geöffnet und geschlossen wird, letztmalig 2000.
Ein Reiterstandbild Karls des Großen ist zu bewundern und eines von Kaiser Konstantin von Bernini.
Die Kirche selbst ist 187 m lang und im Querschiff 140m breit, das Gewölbe im Mittelschiff erreicht 46 m.
Es ist eine Fülle Kunst zu bewundern. Erst genannt im rechten Seitenschiff die Pieta von Michelangelo. Die Muttergottes hat ein jugendliches Antlitz voller rührender Anmut. Doch
sitzt sie mit physischer und psychischer Kraft und hält den erschlafften Leichnam Christi auf ihrem Schoß. Michelangelo war noch jung, 24 Jahre, als er die Pieta schuf.
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Im Mittelschiff steht die berühmte Bronzestatue des segnenden Petrus mit dem abgewetzten rechten Fuß, weil die Besucher und Gläubigen ihn alle küssen. Heute fotografieren sie die Figur mit dem Handy.
Am Schnittpunkt zwischen Längs- und Querschiff stehen vier riesige Pilaster mit quadratischen Grundriss und vier Nischen, in den vier Kolossalstatuen aufgestellt sind.
Sie personifizieren vier markante Momente der Passion Christi.
Es sind der heilige Longinus, der Soldat, der Jesus mit der Lanze einen Seitenstich versetzte und sich später zum Christentum bekannte. Ein Werk von Bernini.
Die Mutter von Kaiser Konstantin, die heilige Helena, die das Kreuz Christi und die Nägel des Martyriums nach Rom brachte.
Die heilige Veronika, die mit ihrem Schweißtuch das Antlitz Jesus trocknete.
Schließlich der heilige Andreas, der Bruder des Petrus, der in Griechenland gekreuzigt wurde.
Im Mittelpunkt der Kirche wölbt sich der berühmte Bronzebaldachin, ein Jugendwerk Berninis. Pabst Urban VIII. hat ihn anfertigen lassen, um die Leere unter der Kuppel auszufüllen.
Das Material für seine Herstellung wurde wahrscheinlich durch Einschmelzen der bronzenen Kassetten aus der Decke der Vorhalle des Pantheons gewonnen. Daher stammt der volkstümliche Spruch Was die Barbaren nicht schafften, das schafften die Barberini.
Urban VIII. kam aus dieser römischen Familie.
Der Baldachin wird von vier herrlichen gewundenen Säulen getragen, die umwunden sind mit
Oliven- und Lorbeerzweigen. Auf dem wunderbaren geschwungenen Aufsatz prächtige Eckstatuen und zuoberst eine vergoldete Bronzekugel.
Auf den Quasten sind Bienen gestaltet, das Wappentier der Barberini, versinnbildlicht ihren Fleiß.
Über dem Altar schwebt eine goldene Taube, das Symbol des heiligen Geistes.
Unterhalb des Altars befindet sich das Grab des heiligen Petrus, das der Überlieferung nach Überreste des Apostels birgt.
Vorsichtshalber schaut keiner nach.
Über dem Baldachin erhebt sich majestätisch die Kuppel Michelangelos. Die lateinische Inschrift auf Goldgrund lautet übersetzt: Du bist Petrus und auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen, und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches übergeben.
Gott sprach so, oder so.
Im rechten Querschiff befindet sich ein marmornes Grabmal Clemens XIII., von Antonio Canova geschaffen. Wunderschön, der kniende Pabst und an seiner Seite die Religion mit dem Kreuz und der Geist des Todes, der die Fackel des Lebens auslöscht.
Grabmäler in Hülle und Fülle, jeder große Pabst nennt eines sein eigen und bestimmt den Künstler, der es gestaltet. Dieser gibt sich dann im Geist seiner Zeit viel Mühe und hinterlässt der Menschheit ein Kunstwerk, das sie, die Menschheit, in den nachfolgenden Jahrhunderten bestaunt, bewundert, beschreibt.
Es sind traumhafte Marmorarbeiten, herrliche Gesichter, Allegorien, Blumen und Tiere.
Im rechten Seitenschiff ist das Grabmal Antonio Canovas für drei Mitglieder der Familie Stuart, denen der englische Thron wegen ihres Katholischen Glaubens verloren ging.
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Stündlich werden an diesem Ostermontag Messen gelesen.
Wir setzen uns ins Gestühl und hören andächtig heilende Worte. Hoffentlich. Nur der Glaube stirbt zuletzt.
Wir verlassen den Petersdom etwa nach einer Stunde und setzen uns ins Taxi und fahren ins Casina Valadier.
Senta hat für unser Ostermahl einen Tisch bestellt. Zweimal im Jahr öffnet das Casina Valadier zum Speisen. Als Senta herausfinden wollte, ob man auch diese Villa besichtigen kann, erfuhr sie von dem Essen und bestellte.
Wir saßen im obersten Stock, die Fenster geöffnet, Olivenbäume, Platanen und Kastanien raschelten im Frühlingswind.
Der Wein zum Essen war ein guter Barolo. Zur Vorspeise gab es Artischocken mit einem feinen Olivenöldressing. Die Hauptspeise war ein Stück Rinderfilet und die Nachspeise bestand aus einem Zitronensorbet.
Fein zubereitet, nett kredenzt. Zwei Stunden kulinarischer Genuss mit einem fröhlichen Lächeln auf den Lippen.
Danach bestand ich auf einer weiteren Kunstbesichtigung.
Freiensteins hatten mir die Ausstellung so dringend empfohlen, dass ich nicht hätte aus Rom zurückkehren können, ohne ihnen berichten zu können.
In der Scuderie del Quirinale ist eine kleine feine Ausstellung mit Bildern von Antonello da Messina.
Es sind nur 28 Bilder zu sehen, die aus aller Welt zusammen gesammelt worden sind. Sie kommen aus Dresden, aus New York, aus Wien, aus Piacenza, aus dem Flämischen.
Ein wenig werden sie verglichen mit ähnlichen Sujets seiner Zeitgenossen, ist doch die Zuordnung oft ein großes Problem.
Manche Bilder sind schon sehr zerstört.
Messina brachte die Ölmalerei aus Flandern in die italienische Renaissance, nach Venedig.
Die Präsentation der Bilder hat mir sehr gefallen, sie ist sogar edel zu nennen.
Wir mussten wieder anstehen, doch die Zeit bis zum Schließen des Museums hat gereicht.
Es ist schon wieder vorangeschrittener Abend, wir fahren in die Nähe unseres Hotels und setzen uns in die kleine Bar des Hotels gegenüber.
Senta und ich streiten uns über Wissen, Wissen müssen oder nicht müssen und ich trinke zu viel Rotwein. Aber wie das so schön ist bei uns Menschen, bei allen in verschiedener Ausprägung. Als ich sie frage, woher und warum sie alles in Einzelheiten wissen muss in der Kunst und in der Musik und sich auch noch merken muss, ohne mit einem herzlichen Lachen des eigenen Verzeihens über die Vergessenslücken hinwegsehen zu können oder ein Fabulierstück dafür einsetzen zu können, erhalte ich die alles klärende Antwort. So war mein Vater.
Es ist wirklich wahr, wir können so viele Prägungen nicht überwinden. Wir leben alle mit ihnen, je nachdem, wie der Lebensweg verläuft, mehr oder weniger glücklich, mehr oder weniger verzeihend.
Unser letzter Tag beginnt in Rom. Am Abend sitzen wir beide wieder in verschiedenen Fliegern, die uns in unsere verschiedenen Städte und unsere verschiedenen Leben zurück bringt.
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Es war eine schöne Woche, eine Woche voller Eindrücke, eine Woche voller Kunst und eine Woche voller Vertrautheit, auch in der Gegensätzlichkeit.
Nach dem Frühstück gehen wir zunächst in die Casa Goethe, in die Via del Corso 18.
Hier entstand das berühmte Bild von Goethe in langen Unterhosen, wie er aus dem Fenster schaut. Sein Zimmergenosse Tischbein hat es gemalt.
Die beiden teilten sich bescheiden die Kammern von 200 Quadratmetern. Kam halt aus reichem Haus, der Herr von Goethe.
In dem Museum gab es eine sehr schöne Fotoausstellung und Beschreibung ihres Lebens von Ingeborg Bachmann. So hell ist die Welt und so außer sich.
Vieles ist mir wieder eingefallen, was ich gelesen habe von ihr und über sie, doch dass sie eine so schwierige Beziehung mit Max Frisch hatte, wusste ich nicht. Sie war eine auch schwierige und traurige Frau.
Nach dieser letzten Kulturtat kaufen wir ein, Nudeln, Risottoreis, Gewürze.
Der Sommerrock muss noch gefunden werden. Bei mir geht es ganz schnell. Ich finde sogar zwei, davon einer so sündhaft teuer, das mir leicht schwindelt.
Dafür ist es ein sehr schöner, der auch in Frankfurt Bewunderung auslöst, wenn ich ihn trage.
Senta probiert, glaube ich mich zu erinnern, alle Röcke, oder fast alle Röcke, die in diesem Geschäft hängen, an und entscheidet sich nicht und schließlich doch nach ewigen Zeiten. Die Verkäuferinnen liegen schon nach Luft hechelnd am Boden, fragen sich, ob sie je Überzeugungskraft besessen hätten.
Ich glaube, ich habe meinen teuren Rock nur gekauft, damit sie nach der stundenlangen Rocksuche und Rockberatung nicht gänzlich leer ausgehen und gar keinen Euro verdient haben, wenn Senta von all den Röcken keinen kauft.
Wir haben nur noch wenig Zeit für ein kleines Mittagessen, holen unsere Koffer im Hotel und fahren zum Flughafen.
Ganz schnell schreiben wir noch Postkarten, mit denen ich über den Flughafen laufe auf der Suche nach Briefmarken. Habe ich endlich eine Post mit Briefmarken gefunden, suche ich den Briefkasten.
Letztendlich ist alles erledigt und ich fliege nach Frankfurt.
Am nächsten Tag sitze ich an meinem Schreibtisch in der Praxis und kümmere mich wieder um erhöhte Blutdrücke, Bronchitiden oder verknackste Zehen.
Eine email an die Autorin???